20 Jahre mehr Schein als Sein

In diesen Tagen feiert Deutschland von Tag zu Tag etwas Neues. Die besonderen Feiertage wie immer, diesmal jedoch im 20. Jubiläum! Alles muss größer sein, alles muss besser sein als die Jahre davor. Nach 20 Jahren sollte man meinen, dass sich hier nun ein Volk von Einigkeit und Gleichheit gebildet hat. In meinen Augen weit gefehlt!

Wir feier 20 Jahre Wiedervereinigung und freuen uns, dass wir in 20 Jahren keinen Krieg begonnen haben, dass wir uns gegenseitig im eigenen Land noch nicht an die Gurgel gehen wie in einigen Nachbarländern und dass wir so toll zusammenleben können. Alles scheint seit der Zusammenkunft von Ost und West harmonisch – zumindest nach außen mag das auch stimmen. Im inneren brodelt es jedoch gewaltig und eigentlich sind wir kurz vor dem Überkochen.
Ich möchte es nicht schlecht reden, dass der “Eiserne Vorhang” gefallen ist und man nun kein geteiltes Land mehr hat. Das Problem ist: das ewig anhaltende Ego der Menschen und die Gier nach mehr. Nach der Wende wollte jeder alles haben und angemessen seines Lebensstandards war dies auch möglich. Immer das neuste immer das Beste. Der Westen kannte diese Lebensart schon und weil es den neuen aus dem Osten so schlecht ging sollte der Westen fleißig Geld zugeben. So wurden direkt nach der Wende Stimmen laut “In 10 Jahren sind wir ein Deutschland ohne Unterschiede!”. Nach dieser Zeit war es aber ganz und gar nicht so. Der Unterschied zwischen Ost und West war immer noch zu groß und die Erinnerungen an “damals” noch nicht verloschen. Zusätzlich hatten sich durch den ewigen Konsumwahn die Schichten auseinanderbewegt. Zwar lebten alle so gut ihr Leben wie sie konnten, doch man erkannte eine klare Trennung. Wenn die Oberschicht Porsche fuhr, gab es in der Mittelschicht nur den Mercedes und für die Unterschicht den Opel. Wer Geld hatte gab es aus und holte sich weiterhin das Neuste und Schönste. Wer kein Geld hatte wurde mit Werbefilmen auf das Leben der Reichen aufmerksam gemacht und es wurde einem vorgehalten wie schön das Leben doch sein kann.

Es wurde suggeriert, dass man die Schicht einfach wechseln kann, je nachdem wie fleißig man arbeitet. Doch während ein Arbeiter im Osten fleißig 40h in der Woche arbeitete und gerade so seinen Haushalt halten konnte, verdiente sein Kollege im Westen fast das Doppelte. Es machte sich Unmut breit und wieder wurden Stimmen laut “In 10 Jahren sind wir ein Deutschland ohne Unterschiede!”. Da sind wir nun und was muss man Feststellen? Der Schichtenunterschied ist noch größer und der Lebensstandard ist bei vielen extrem gesunken. Gehälterunterschiede zwischen Ost und West innerhalb einer Branche und das Land verfällt in Unruhen sobald hier einer von Mindestlohn spricht. Genau genommen hat sich seit 10 Jahren nichts geändert! Es wird mittlerweile nur schöner Umschrieben und durch mediale Beschallung überspielt. Entertainment wo man hinsieht. Kommerz an jeder Ecke. Der DurchschnittsBILDungsbürger hat keine Zeit sich über seine Zukunft Gedanken zu machen. Er ist damit beschäftigt fleißig für einen Hungerlohn zu arbeiten und sein mühsam angespartes für die neuste Spielkonsole auszugeben. Dabei merkt er nicht, dass die Schraubzwinge um seine Geldbörse immer enger wird und er nur noch das nötigste behalten darf.

Wir feiern 20 Jahre Wiedervereinigung und sind so unterschiedlich vom Norden bis zum Süden, von Ost nach West. Fast jeder denkt nur an sich und Zivilcourage wird bestraft. Der Kampf zwischen Wessi und Ossi wird immer wieder neu entfacht, nie kommt man zur Ruhe und muss zu allem Überfluss nach 20 Jahren im Fernsehen “Das große Ost-West-Duell” sehen. Wie soll man so zu einer Einheit werden, wenn einem jedes Mal die Fehler der anderen Seite präsentiert werden und man sich darüber lustig macht? Wie soll man denken, dass alle in diesem Land unter gleichen Bedingungen leben können, wenn man in den alten Bundesländern mehr Gehalt bekommt für dieselbe Arbeit? Wie soll man hier noch Frei leben, wenn man gefangen in der Arbeitswelt keine Zeit findet sich personell zu entwickeln um von der Unterschicht in die Oberschicht zu steigen – oder wieder eine Mittelschicht zu bilden? Wie soll ein von Arbeitslosengeld lebender den Quantensprung schaffen, wenn die Bürokratie versagt und man auf eine Antwort 4 Wochen wartet? Wie soll das gehen, wenn man auf jeden Cent Wochen warten muss, man aber selber nur wenige Tage zum zahlen von Schulden bekommt?

Wir befinden uns im 20. Jahr nach der Wiedervereinigung. Wir haben uns kein Stück weiter bewegt. Wir leben mit einer imaginären Grenze in unserem Kopf, welche nie geöffnet wird. Auch eine EU-Reform wird diese Grenze nicht schließen – dadurch wird diese Grenze nur noch mehr verriegelt und abgesichert.

Autor: Antares
Datum: Sonntag, 11. Oktober 2009 23:00
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Alltag, Behörden, Gesellschaft, Politik

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben